Witzigkeit hat ihre Grenzen.

 

 

 

Im folgenden Beispiel offenbart sich eine selbstverständlich völlig frei erfundene Melancholie unserer postindustriellen Arbeitswelt ...


(2002)
- „Sie wollen sich also für die angebotene Stelle als stellvertretende Aushilfe zur Probe bei uns bewerben. Aha. Na gut, Herr ... mann, was haben Sie denn da auf dem Bewerbungsbogen herumgekritzelt  ... also Herr Kackmann ... Krach... Knackmann ... egal. Sie  sind eingestellt als Nummer 36845. Für morgen sind 26 Einsätze geplant und...“

- „Oh, so viel Arbeit, toll ! Ach übrigens, mein Name war Kachelmann, Frank Kach...“

- „36845 ! Sie werden schnell zu lernen haben, daß es überhaupt nichts Wesentliches gibt, was Sie mir sagen könnten, sondern nur das wesentlich ist, was ich Ihnen in Bezug auf die Arbeit sage. So, weiter im Text. Ihr Stundenlohn beträgt 3,86 Euro brutto und ...“

- „Wie bitte ?!“

- „ ! “

- „Ja. Schon gut. Hauptsache endlich wieder Arbeit ...“

- „Sie werden jeweils einen Tag im Voraus über die Arbeitszeiten des nächsten Tages informiert. Dabei wird absolut zuverlässige Abruf- Flexibilität im Dreischichtsystem einschließlich aller Sonn- und Feiertage erwartet. So. Morgen geht´s los, wie gesagt. Ich rechne mal schnell zusammen ...1,5; 2,3; 4,2; 0,2; 3,1; 2,7 ... hmm ... blabla ... aha. Insgesamt jedenfalls 72,4 Sekunden, abgerundet 70. Die Fahrtwege zwischen den Einsatzstellen gehen zu Ihren Lasten. “

- „Moment mal -- 70 Stunden ? Wie soll denn das gehen ?“

- „Mann, vielleicht hören Sie mal zu, wenn ich was sage. Ich sagte 'Sekunden'. So. Also bei einem Stundenlohn von 3,86 macht das insgesamt für morgen 0,0751 Euro Arbeitslohn, abgerundet 0,07, zahlbar netto zum 15. des Folgemonats.“

- „Wie bitte ... ?! Ich glaube, ich verstehe hier irgendwas nicht ganz...“

- „36845, haben Sie schon mal von der sogenannten Arbeitslosigkeit gehört ?“

- „Aber sicher ... deswegen bin ich doch hier ...“

- „Jeder will arbeiten, alle wollen sie was tun für Geld. Also müssen die vorhandenen Arbeitsplätze geteilt werden. Denn weil es in unserer Industrie fast keine mehr gibt, bleiben fast nur noch Dienstleistungen übrig. Und da bietet schon jedes kleine Kleckerunternehmen alle nur denkbaren Dienstleistungen bis hin zum Arsch-Abwischen zu Billigpreisen an; Qualität interessiert dabei kaum. Die Chance für unser dennoch hochprofitables Unternehmen liegt darin, durch größtmögliche Ad-Hoc-Just-In-Time-Schnelligkeit Kunden zu gewinnen. Daher genügt ein Anruf bei uns, und erforderlichenfalls ist 24 Stunden später die Fassade eines Wohnblockes komplett saniert, eine Fabrikhalle aufgebaut oder sind in einem Stadion nach 180 Minuten 50.000 neue Schalensitze installiert.“

- „Wie bitte ?! Ich glaube, ich kann Ihnen nicht ganz folgen ...“

- „Mann, das ist doch wohl nicht so schwer zu begreifen ! Wenn beispielsweise für eine Treppenaufgangsreinigung eines sechsstöckigen Mietshauses normalerweise zwei Stunden Gesamtarbeitszeit vorgesehen wären für eine einzelne Reinigungskraft und es soll aber schneller gehen, weil die Bude vielleicht gleich wieder verkauft werden soll, dann beordern wir ein Kontingent von 600 Stück Arbeitskräften plus 'nen Mietgerätewagen dort hin, und nach 12 Sekunden ist alles sauber. Fertig. So einfach ist das. Das ist die Zukunft, mann, da müssen sie schon mitmachen, wenn Sie nicht arbeitslos abseits stehen wollen !“

- „... Oh. Achso. Jetzt versteh´ ich. Sie meinen, ich sollte ein wenig flexibel und innovativ sein, arbeitswillig und voller Teamgeist und so was alles...?“

- „GENAU RICHTIG, mann ! Sie haben´s begriffen, 36845, hätte ich gerade von Ihnen gar nicht gedacht, weiter so ! Dann dauert´s bestimmt nicht lange, und Sie steigen auf zum 3. Hilfs- Vorarbeiter ! Dann sind Sie zack, ratz-fatz schon bei 3-Euro-92 die Stunde !“

- „Ahja, das wäre natürlich spektakulär. Hmm ... wissen Sie, vielleicht würde ich besser allen anderen Arbeitslosen und unserem finanzschwachen Staat einen noch größeren Dienst erweisen, wenn ich die Gesellschaft von mir, dem arbeitslosen, steuergeldverfressenden Problemfall einfach entledigte; ich könnte zum Beispiel von der Brücke springen, nicht wahr ?“

- „Nöö, wozu denn ? Dann nützen Sie unserer Wirtschaft doch gar nichts mehr. Und denken Sie mal an die ganzen Bergungs- und Beerdigungskosten sowie die hinterzogenen Arbeitskraftressourcen bis hin zu Steuerzahlungsausfällen -- wo soll denn das ganze Geld herkommen ? Das müssen Sie doch vorher erstmal erarbeiten, ist doch logisch, oder ? Also seien Sie nicht so egoistisch und fangen Sie morgen an, endlich zu arbeiten, klar ? Also um 0520 geht´s los, verstanden ?"

- "Wissen Sie was ?"

- "Klar, ich weiß immer was."

- "Jemand wie Sie weiß abgesehen von Geschäftszahlen NICHTS. Ich wohne lieber im Obdachlosenheim und arbeite lieber umsonst als Praktikant auf dem Friedhof als bei Ihnen für Geld, das nicht mal für die Miete reicht !"

- "Bitte, nur zu, dort ist die Tür. Der Nächste bitte."

 

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Stell' Dir vor, es ist Ausbeutung -- und keiner geht hin ...

 

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(1998) 

 

- „Endlich seid Ihr da, mein Kriegsminister; los, nun berichtet mir schon von meiner Front ! Ich bin ja schon so gespannt ...“ 

- „Jawohl, o Präsident. Euer untertänigster General bündelte alle gewaltsam gesammelten Kräfte, stieß in den Norden, direkt in das Gebiet des ewigen Feindes vor und erreichte -- unter heftiger Gegenwehr immerhin einen halben Spähverband des Feindes vernichtend -- nach zwei Tagen den Grenzort „Ge“. Dort wurde er von feindlichen Bombern überrascht und von feindlichen Panzerverbänden eingeschlossen. Seine Versorgungswege rissen ab. Er unternahm des Nachts unter hohen Verlusten einen Ausfall und konnte westlich  durch die Kanalisation -- eine Lücke im feindlichen Ring -- entkommen. Er ließ auf dem weiteren Feldzuge nebenher eine feindliche Berghütte plündern und dem Erdboden gleichmachen; zweifellos ein ganz außerordentliches Exempel unserer allgegenwärtigen Macht. Durch zunehmend übermächtigen Angriffsdruck indessen gezwungen, bewegte er sich dann mit seinen restlichen todesverachtenden Kämpfern die Küste verlassend gen Süden zurück in unser gebirgiges, schwer zugängliches, ewiges Heimatland. Alle Vorräte waren erschöpft und so kehrte er ein in unsere stolze Hauptstadt. 4 % der ursprünglichen Armee und Ausrüstung sind noch vorhanden.“

- „...“

- „...“ 

- „Ja was ... und dann ? Und jetzt ?!" 

- „Er wartet auf neue Befehle.“

- „Ja seid Ihr noch zu retten ? Was wird denn jetzt aus meinem Heiligen Krieg, der Mutter aller Schlachten ?!“ 

- „Wir brauchen nur ein paar neue Divisionen und dann ...“

- „Nein, das darf doch nicht wahr sein ! Unfähig seid ihr alle ! Ich werde einen Untersuchungsausschuss unter meinem höchsteigenen Vorsitz einsetzen, der die für diese schändliche Sabotage Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe, dem Tod durch private Steinigung, zuführen wird ! Das sieht ja jetzt außenpolitisch äußerst blamabel für mich aus ...“ 

- „Nun, möglicherweise eine nicht ganz einfach zu vermittelnde Situation. Und unser Feind wird jetzt vermutlich die Großmächte um Hilfe gegen unsere angebliche Aggression bitten.“

- „Ach die; die interessiert eine sogenannte Rechtsstaatlichkeit doch nur in Regionen, aus denen sie Geld ´rausholen können; ist ja bei uns nicht der Fall. Also da mache ich mir überhaupt keine Gedanken. ... Nun, dann beschließe ich jetzt folgendes : Zuerst wird bekanntgegeben, daß ich mit dem feindlichen Führer seit Jahren Tag und Nacht aufopferungsvoll, jedoch vergebens um Frieden zu verhandeln versucht habe, denn seine Armee hat  ... hmm ... na sagen wir mal, fast täglich unsere Grenzregionen überfallen und geplündert...“ 

- „Das könnte sich eventuell etwas zu klischeehaft anhören, o unsere Hoheit. Außerdem wird man sagen, daß wir doch angefangen haben...“ 

- „Haben wir nicht, wir haben uns nur gegen Banditen, die schon vorher oft unsere Ernten vernichteten und dabei von der feindlichen Armee  unterstützt wurden gewehrt und sie bis nach „Ge“ zum Zwecke der Selbstverteidigung verfolgt."

- Naja, aber erstens stimmt das auch wieder nicht so ganz und zweitens haben wir doch vorher noch bei denen spioniert ..."

- "Das war wegen dem Aufstand, den die ..."

- "Ja aber das war doch wegen dem Embargo, dass wir ,..."

- "Ruhe ! Davor war es schließlich der Selbstmordanschlag , den die grausamen ..."

- "Aber das war doch nach unserer unstreitigen Beteiligung am Massenmord 1938, als wir ..."

- "Das zählt nicht, denn das war berechtigte Blutrache für den Tod unseres ehrenwerten Generalsekretärs Schrackbumm zu Zeiten des ..."

- "Präsident, ich würde gern zustimmen, aber das war doch später, vorher kam noch die Vergiftung des  Prinzen !"

- "Die Geschichte lügt nicht, wenn sie weiß, dass der Prinz eine unserer Prinzessinnen heiraten wollte, die bereits an einen Edelmann aus Byzanz vergeben war."

- Sie, die Geschichte, hat aber auch nicht vergessen, dass die Kreuzzüge von uns mitfinanziert wurden, um uns das Besitzrecht an der großen alten Silbermine zu sichern, die ..."

"GENUG JETZT !! Ich übe das mir anvertraute Recht, ja die heilige Pflicht aus, die gleichermaßen auf mir lastende Verantwortung, die Ehre unseres Blutes wiederherzustellen, die befleckt wurde durch das unehrenhafte Verhalten des Vorfahrens unseres Feindes, der sich erdreistete, die drei heiligen Äpfel zu essen ! Und wenn ich sage, der Feind ist unser Feind, dann ist das so ! Ich als letzter erbgeborener Stammesoberster weiß es schließlich am besten !"

"Selbstverständlich, o Oberster ! Aber, ... äh, waren es nicht unsere Vorfahren, die diese Äpfel zuvor gestohlen hatten ... ?"

"Davon wollen wir nichts mehr wissen ! Mir genügt der ewig zu rächende Frevel ! So. Also wir werden der Geschichte etwas nachhelfen, soweit die Not kein Gebot kennt; und unsere Ehre ist durchaus in Not. So. Also ... dann haben die grausamen Feinde, diese Nichtmenschen, hmm ... also sie haben dann eben unsere Säuglinge im Krankenhaus getötet ! Genau ! Super ! Das hört sich doch jetzt echt erschreckend an, nicht wahr ?“ 

- „Welches Krankenhaus ? In der Gegend gibt´s keins.“ 

- „Oh, ja, äh ... dann  ... dann es war eben ein provisorisches Feldlazarett; wegen der Überschwemmung letztens stand das noch da; das ist natürlich jetzt weg, weil´s eben vom Aggressor zerstört worden ist. Und alle Ärzte, Frauen, Kinder bestialisch ermordet, alle Medikamente vernichtet ! Ja genau, so war´s ! Gut ! So. Verschickt die Propaganda an unsere Fernseh- und Radiostation. Fügt insbesondere für unsere Zeitungen -- am besten machen wir ´ne Sonderausgabe daraus -- ein paar unscharfe Fotos aus unserem letzten Krieg vor zwei Jahren bei, als damals der Reaktor explodierte; das müsste schön schrecklich aussehen. Macht aber die Bilder so, dass schön viel Blut, zerfetzte Kinder und weinende Mütter zu sehen sind. Ach, und wisst Ihr, nehmt nebenbei ein paar Leute und sprengt ein oder zwei von den Hochhäusern im Stadtzentrum, die sind sowieso baufällig, das können wir dann verkaufen als Terrorakte der feindlichen Terroristenbanditen. Ja, genau ! Hört sich doch gut an, oder ? So. Los, schnell !“ 

- „Was, wenn das Ausland uns nicht glaubt ?“ 

- „Na und ? Gegenteilige Beweise gibt es nicht. Außerdem wollen sie uns ja weiterhin Waffen verkaufen, weshalb es bei irgend so einer offiziellen Rüge bleiben wird. Unser einfältig gehaltenes Volk jedenfalls wird sich in Wut und Trauer winden, sie werden sich freiwillig für jedes Himmelfahrts- Kommando hergeben. Das reicht zu meinem naturgegebenen Machterhalt und für die nächsten Schlachten. Ich will gewinnen ! Ich will den Ort „Ge“, seine Kohlemine und den Zugang zum Meer. Das Land war bereits vor Urzeiten durch Gottes Fügung im Besitz meiner Vorväter - bis es sich diese verräterischen Unmenschen unrechtmäßig aneigneten. Ich werde diese Fehde ein für alle Mal für unser Blut entscheiden ! Los, zwangsrekrutiert neu, beschlagnahmt Vermögen, erpresst im Ausland unter dem Namen unserer Feinde Geld und kauft neue Waffen bei unseren Brüdern jenseits der Berge; später einmal können wir uns endlich auch auf ihr Gebiet ausdehnen, mit dem sie ohnehin nicht viel Nützliches anzufangen wissen.“ 

- „Zu Befehl, o Großmächtiger ! ... Äh, das mit dem Land war aber übrigens, soweit ich noch weiß, wegen des Verrates an dem ägyptischen Pharao, der ..."

- "ICH sage, was Recht ist ! Und wenn ICH sage, wir sind das Recht, ist es so. Unser stets unvermeidbarer Krieg ist Recht, weil ICH es weiß, und wer mir nicht folgt, fällt in das ewige Feuer der HÖLLE !"

- "Eure überwältigende, logische Überzeugungskraft wird alle mitreißen ! Bewundert seid Ihr, o allmächtige Herrschaft ! Es lebe der Heilige Krieg !"


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Stell' Dir vor, es ist Krieg -- und keiner hört hin ...


 

 

 

    

 

 

 


 

Informationen zur Diesel-Problematik finden Sie zum Beispiel hier :

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/diesel-abgase-bedingen-groesseres-lungenkrebs-risiko-als-angenommen-a-838511.html


oder dort :


http://www.umweltbrief.de/neu/html/Umweltbrief_spezial_Feinstaub.html#Klimakiller_Dieselmotoren


Nur weil Dieselabgase heute zumeist kaum mehr sicht- oder riechbar erscheinen, sind sie nicht etwa verschwunden. Im Gegenteil : Dieselabgase halten sich nach wie vor relativ lange in Bodennähe und verflüchtigen sich relativ langsam. Wir atmen also frohen Mutes die unbescholtene Frühlingsluft hinter dem Taxi oder Bus ein -- und füllen unsere Lungen unbemerkt mit sehr viel Stickoxid und Myriaden winzigster Ruß- Partikel.

Abgesehen vom Gesundheitsaspekt weiß niemand so genau, welche Folgen durch den in der Landschaft so großzügig verteilten Ruß, der schließlich in den Wasserkreislauf gelangt,  verursacht werden. Zudem scheinen sich die Rußpartikel auch noch klimatechnisch negativ bemerkbar zu machen.


Schlimm genug, dass Heerscharen von Nutzfahrzeugen in Innenstadtbereichen mit Dieselmotoren betrieben werden. Der Dieselschadstoffausstoß privater KFZ hingegen könnte zukünftig sogar ganz vermieden werden, wenn dort solche Motoren einfach nicht mehr verbaut werden dürften. Dann ist´s eben vorbei mit billig durch die Gegend heizen. Ist vielleicht weniger schlimm als -- etwas polemisch ausgedrückt -- todkranke Kinder ohne lebenswerte Zukunftsperspektive. 


 


 


 


 

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